Kunstwerkerin Christine beschreibt ihr Leben auf der Furneralp

Auf den Furner Bergen

von Christine Pfammatter | Kolumne für den Walliser Boten

Seit langem bin ich wieder einmal auf der Alp. Besser gesagt, ich sitze in einem Maiensäss im Prättigau, Graubünden – und das für drei Wochen. Hier, auf den Furner Bergen, ist das Prättigau herrlich: Hügel, Blumenwiesen und eine umwerfende Sicht ins Tal prägen die Gegend. Dazu kommt das Erbe der Walser, das in den schönen alten Stuben und Schober, der Landwirtschaft, Namen wie Lötscher oder diversen Ortsbezeichnungen sichtbar bleibt. Die Sprache hat hier Ähnlichkeiten mit unserem Wallisertitsch, weshalb ich mich mit den Bauern und Jägern, die hier ihre Hütten haben, sogleich gut verstand. Schon habe ich mich auf den Rhythmus eingelassen, diesen „Flow“, der sich in der Natur nach ein paar Tagen einstellt: Frühes Aufstehen, frühes Zubettgehen, dazwischen einfach sein: existieren, in die Landschaft schauen, Feuer machen, essen und lesen, was zur Folge hat, dass mir jeder Satz schwer fällt. Diese Stille! Man hört keinen Laut. Absolute Ruhe. Und in der Nacht sieht man kein einziges Licht. Geht man dann, um den Computer aufzuladen oder sich im Schwimmbad zu waschen, ins Tal hinunter, kommt einem dort alles grässlich vor. Landquart, Chur, nichts kann einem mehr gefallen. Dieses dämliche Outlet-Center, dieses Industriequartier mit der Calanda-Brauerei, die der Quellen wegen schon lange Heinecken gehört, und die verschlossenen, aufgemotzten Leute im Intercity- grauenhaft ! Bin ich jetzt schon zum richtigen Bergler geworden?

„Das Prättigau ist schön in der Höhe,“ sagte mir eine Frau und dem kann ich nur zustimmen. Nichts kann einem mehr ins Tal locken, nicht einmal der Malanser Wein. Lieber müht man sich hier oben ab und wird kreativ, sammelt Kräuter, sucht Sauerampfer, improvisiert am Herd, indem man sich fragt, was man noch alles aus gekochten Kartoffeln machen könnte.

Was mir besonders gefällt in den Höhen ist, dass jeder Mensch plötzlich wichtig und interessant wird und man sich auch nicht scheut, mit jedem zu reden, der einem, selten genug, über den Weg läuft. Wie viel besser ist es doch, einen kleinen „Hängert“ zu halten, als im Zug zu sitzen und auf das Handy zu schauen. Ich bin jedenfalls froh, bei diesem „Kunstluft-Projekt“ mitmachen zu dürfen. Kunstluft? Für ihre Bachelor-Arbeit in Multimedia-Production schrieben zwei Studentinnen der HTW Chur ein Artist in Residence-Programm auf der Furneralp aus. Ich bin eine von sieben Künstlern, die nun hier in verschiedenen Maiensässen wohnen und arbeiten. Zum Abschluss gibt es eine Ausstellung, eine Lesung und wer weiss, vielleicht findet dadurch der eine oder andere in diese schöne Gegend.